„Gedanken entstehen dort, wo Dinge liegen bleiben.
In der Waschküche.
Zwischen Alltag, Erinnerungen
und dem Versuch, Ordnung zu halten.“
Der schönste Raum der Welt
Es ist heiß.
In meinem Kopf singt Peter Fox in Dauerschleife.
Meine Stadt hat Fieber
Sie tropft und klebt
Wir haben schwere Glieder
Der Kopf tut weh
Wir sind wie ein alter Hund, der gerade noch steht
Wir ham’s verzockt, verbockt, der Doktor kommt zu spät
Ich gehe runter in meinen Waschkeller. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet dieser Raum mal mein absoluter Lieblingsort werden würde. Vielleicht nicht optisch, aber für den Moment auf jeden Fall temperaturtechnisch.
Der Raum ist musikalisch gut ausgerüstet. Ich habe ein kleines Radio hier stehen. Einen kleinen weißen Quader. Schlichtes Design. Früher stand es in der Küche. Jetzt ist es gepimpt zu einem Sonos fähigen Abspielgerät. So kann ich mit stimmungsoptimierter akustischer Untermalung meinen Wäschepflichten nachkommen.
Wo der Peter sich sowieso schon in mein Kopf eingenistet hat, kann ich ihn auch äußerlich schallen lassen. Vielleicht krabbelt er so angelockt irgendwann aus meinem Ohr wieder heraus und alles kühlt sich etwas ab.
Ich steh auf, leg mich gleich wieder hin
Es ist zu heiß, um es geil zu findn
Ein Schritt reicht, gleich tropft Schweiß vom Kinn
Pack mein Sack in Eis und da bleibt er drin
Im Waschkeller gibt es im Moment nicht viel zu tun. Die Wäsche erledigt sich quasi wie von selbst. Am liebsten ist mir der Moment, in dem ich die feuchte kühle Wäsche umarmen darf. Zur Zeit spare ich mir den Wäschekorb. Draußen bei Siebenunddreißig Grad trocknet die Wäsche eigentlich schon, bevor ich sie auf den Wäscheständer gehängt habe. Dabei muss ich nur aufpassen, dass ich mir nicht die Fußsohlen auf der Holzterrasse verbrenne.
Ich hab Fieber, lieg auf’m Rücken
Ich brauch Waffen für’n Krieg gegen Mücken
Ich halluziniere, hab trockenen Lippen
Und träum von Schneeflocken und Skihütten
Vielleicht suche ich mir aus dem Fundus von ungeliebten Möbelstücken, die die Kinder hier lagern, doch mal eine Sitzgelegenheit für meinen Waschkeller. Dann könnte ich im Kühlen ein Buch lesen und müsste nicht die Trommeln füllen, als Ausrede für meinen Aufenthalt hier unten.
Die Mangelwäsche habe ich auf den Herbst vertagt. Wenn die Temperaturen sich dem Norden wieder angemessen angepasst haben.
Bis dahin halte ich es wie Peter: Ich steh auf und leg mich gleich wieder hin.